Feuerwehr versammelt sich digital

Ein ungewöhnlicher Rahmen für einen Rückblick auf ein ungewöhnliches Jahr: Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Lohne trafen sich am Freitag (26. Februar) zu einer digitalen Jahreshauptversammlung. Räumlich getrennt und per Videokonferenz zugeschaltet verfolgten 87 Kameradinnen und Kameraden die Ausführungen von Ortsbrandmeister Thorsten Heseding. Der blickte gemeinsam mit den Fachwarten der Wehr auf ein Jahr zurück, das dank der Corona-Pandemie unvergleichbar war.

125-Jahr-Feier fällt aus

Das Jahr 2020 nimmt auch ohne Pandemie einen Platz in den Geschichtsbüchern der Brandschützen in Lohne ein. Denn im vergangenen Jahr wurde die Freiwillige Feuerwehr 125 Jahre alt. Dieses Jubiläum hätten die rund 100 Mitglieder gerne mit einem großen Festakt und einem Tag der offenen Tür im Mai gefeiert. Die Vorbereitungen waren abgeschlossen – da kam der Lockdown.

Was aber bleibt ist eine umfangreiche Chronik über die Vergangenheit und Gegenwart der Feuerwehr. „Unser Redaktionsteam um Ludger und Aloys Holthaus sowie um Autor Gert Hohmann hat ein erstklassiges Werk abgeliefert“, lobte Thorsten Heseding. Mit dem Verkauf – sowohl über den Buchhandel als auch über den Online-Shop der Feuerwehr – sei er zufrieden, auch wenn ein Tag der offenen Tür den Absatz sicherlich in Höhe getrieben hätte. Aber dank der zahlreichen Sponsoren sei die Chronik bereits refinanziert. Jeder Euro aus dem Verkauf gehe nun direkt in die Kameradschaftskasse der Wehr.

Zwei neue Großfahrzeuge

Weitere Höhepunkte des Jahres: Zwei neue Großfahrzeuge ergänzen den Fuhrpark der Feuerwehr. Im Juli erhielten die Kameraden die dritte Drehleiter des Landkreises Vechta. Wenige Tage später traf das neue Tanklöschfahrzeug (TLF 4000) im Gerätehaus am Adenauerring ein. Es ersetzt das alte TLF 24/50, das nach über 31 Jahren treue Dienste ausgemustert wurde.

Und so stand der Sommer 2020 ganz im Zeichen der Ausbildung auf den neuen Fahrzeugen. Vor allem die komplexe Technik der Drehleiter musste der Mannschaft vermittelt werden. Ausbildet wurde – ganz den damaligen Corona-Regeln entsprechend – in Kleingruppen.

Einsatzbereit in Corona-Zeiten

„Ich habe mich noch nie so intensiv mit Vorschriften und Regeln auseinandergesetzt, die zudem ständig gewechselt und erneuert wurden“, erklärte Heseding. So konnten 2020 immerhin 20 Dienstabende in Präsenz und fünf Online-Dienste stattfinden. Insgesamt investierten die Feuerwehrleute 1129 Stunden in Aus- und Weiterbildung.

Der Ortsbrandmeister schaut aber auch voller Sorge auf die Ausbildung an den niedersächsischen Akademien für Brand- und Katastrophenschutz (NABK) in Loy und Celle. Hier konnten bis zum Lockdown im März nur vier Feuerwehrleute ihre Weiterbildung zu Fach- und Führungskräften abschließen. Dabei sei der Ausbildungsbedarf nach wie vor hoch, so Heseding.

Glücklich ist Heseding über die Einsatzbereitschaft der Lohner Feuerwehr. 2020 war die Feuerwehr an allen 366 Tagen und rund um die Uhr einsatzbereit. „Eine große Welle an Erkrankungen und Quarantänefällen blieb uns erspart“, freut sich Heseding in der digitalen Jahreshauptversammlung.

183 Einsätze in 2020

183 Mal rückte die Feuerwehr zu Einsätzen aus. Das waren zwar weniger als 2019 (246 Einsätze), aber es brannte häufiger in Lohne. Die Zahl der Feueralarme stieg 2020 um elf Prozent auf insgesamt 56 Einsätze. Besonders der Großbrand der ehemaligen Gaststätte „Zur Linde“ im März sowie ein mehrtägiger Moorbrand im April waren für Mensch und Material eine starke Herausforderung.

Auffällig an der Einsatzstatistik ist aber auch: 41 Mal wurde die Feuerwehr fehlerhaft alarmiert – fast alle (40) Fehlalarme wurden durch automatische Brandmeldeanlagen in Unternehmen verursacht.

Insgesamt 5008 Stunden waren somit die Feuerwehrleute in Lohne im Einsatz. Summiert mit Stunden für die Aus- und Weiterbildung sowie der Zeit für die Dienstvorbereitung, Wartung der Technik und Verwaltung verbucht die Feuerwehr insgesamt 11207 Dienststunden – und das alles ehrenamtlich.

Dank von der Stadt Lohne

Und dafür dankte Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer, der ebenfalls an der digitalen Jahreshauptversammlung teilnahm: „Die Stadt Lohne steht an der Seite ihrer Feuerwehr.“ Im Laufe des Jahres solle der dringend notwenige Anbau umgesetzt werden, so Gerdesmeyer.

Kreisbrandmeister Matthias Trumme betonte am Freitag: „Trotz Corona haben viele aktive Feuerwehren im vergangenen Jahr sogar mehr geleistet als sonst.“ Regierungsbrandmeister Udo Schwarz erklärte mit Blick auf zahlreichen Online-Dienst und digitale Angebote der Feuerwehr: „Das schnelle Internet ist zum Einsatzmittel geworden.“

Stadtbrandmeister Franz-Josef Theilen setzte mit seinem Grußwort den Schlusspunkt unter die gut zweistündige Online-Versammlung: „In der Corona-Krise bringt es nichts auf Schuldige zu blicken. Wir müssen den nach vorne schauen auf die Zeit nach Corona.“ Da waren sich alle Teilnehmer an ihren Bildschirmen einig.

Sobald die Corona-Lage es zulässt, wird die Feuerwehr Lohne die Tagesordnungspunkte Wahlen, Ehrungen und Beförderungen in einer Präsenzsitzung nachholen.